Trachtendokumentation

Fragebogen zur Erfassung der Mädchen-und Frauentracht (PDF)

Fragebogen zur Erfassung derdchen-und Frauentracht (Excel)

Erläuterungen zum Trachtenfragebogen:

Der Fragebogen stellt eine standarisierte Mischform dar, um alle Trachtenlandschaften und möglichst viele Ortschaften erfassen zu können. Im Idealfall sollen möglichst alte Trachtenstücke – vor 1900 bis 1950 – dokumentiert werden. Sollten nur neuere Trachtenstücke vorhanden sein, sind diese zu verwenden.

Um eine große Anzahl sowie viele unterschiedliche Trachtenstücke aufnehmen zu können, ist der Jahreskreislauf (Kirchenjahr) sowie der Anlass und ggf. die Tätigkeit während des Tragens auf der Horizontalachse zu Grunde gelegt worden. Die einzelnen Trachtenstücke sind der Altersfolge der Trägerin/des Trägers gemäß auf der Vertikalachse angeordnet.

Um die Vielfalt in der Machart und Verzierung der einzelnen Trachtenstücke für die jeweilige Gemeinde zu dokumentieren, ist der Fragebogen, falls möglich, für mehrere Exemplare des gleichen Trachtenstückes auszufüllen (beispielsweise Männer- und Frauenhemden, Bänder, Schürzen, Pelze etc.) und sie möglichst durch nummerierte Fotos zu dokumentieren.

Ebenso sind Trachtenstücke für ggf. verschiedene vorhandene Trachten in einer Gemeinde zu dokumentieren. Beispielsweise die sogenannte jungsächsische Tracht, der Busenkittel, die sogenannte Tanz- und Spieltracht etc.

Unbekannte aber vorhandene Trachtenstücke sind ebenfalls zu dokumentieren. Sollte bekannt sein, dass bestimmte Trachtenstücke bis zu einem gewissen Zeitraum getragen wurden, aber nicht mehr vorhanden sind, ist dies ebenfalls mitzuteilen. Beispielsweise verschnürte Hosen (Farbe der Verschnürung), breiter Lederriemen, Mäntelchen in Schalform/Handtuch (Konfirmierte).

Sind keine Trachtenstücke für die entsprechende Zeit/Anlass im Jahreskreislauf oder für eine Tätigkeit vorhanden, ist die entsprechende Spalte frei zu lassen.

Für die Beantwortung der Fragen sind nummerierte Antworten vorgegeben worden, die in die einzelnen Spalten auf der Horizontalachse einzutragen sind. Wir die Frage mit den vorgegebenen Antworten für die betreffende Gemeinde nicht beantwortet, so ist die Nummer für Sonstiges/sonstige Besonderheiten zu wählen, selbst die Antwort zu formulieren und in die betreffende Spalte einzutragen.

Einzutragen sind, soweit für die einzelne Ortschaft bekannt:

  • Name der Gemeinde
  • sächsische Bezeichnung des jeweiligen Trachtenstückes und soweit bekannt die einzelnen Elemente (z. B. eine Spitze und ihr besonderes Muster; Name der Reihung und des Musters beim Frauenhemd)
  • die Angaben sind wenn möglich mit nummerierten Farbfotos (mindestens 300 dpi) oder anhand von Papierbildern zu dokumentieren.

Der Fragebogen kann innerhalb der Excel-Datei oder ausgedruckt beantwortet werden. Rückfragen werden gerne beantwortet. Ausgefüllt ist er zurückzusenden an: vorstand@siebenbuerger-sachsen-hog.de

Kleines Glossar

[nach Treiber-Netoliczka: Die Trachtenlandschaften der Siebenbürger Sachsen 1968 und Schmidt, Rose; Förderreuther, Werner: Kirchen- und Festtagskleidung der Siebenbürger Sachsen] 2011.

Baumwolle:

Die Baumwolle ist eine sehr alte Kulturpflanze. Ihren großen Aufschwung nahm die Baumwollindustrie jedoch erst im Ende des 18. und vor allem Anfang des 19. Jahrhunderts (Spinnmaschinen) im Verlauf der Industriellen Revolution, zunächst in England, dann in Frankreich und Deutschland, wo die Baumwollfaser sich nach und nach auch aufgrund ihrer größeren Verfügbarkeit durch den zunehmenden Anbau in den britischen Kolonien und den USA gegen die Wolle ökonomisch als Alternative durchzusetzen begann. Mit der Ausweitung des Fernhandels in der frühen Neuzeit verdrängte die Baumwolle auch in Nord- und Mitteleuropa zunehmend Leinen (Flachs) und Hanf für die meisten Anwendungsbereiche. Baumwolle ist vom Griff her weicher und wärmer als Leinen. Das merkt man vor allem nach der Wäsche, vorausgesetzt, man verwendet keine Weichspüler. Leinen ist, wenn es sich um reines (unbehandeltes) Leinen handelt, danach erst einmal „steif“ und wird erst beim Tragen wieder weicher. Und beim Tragen fühlt es sich kühler an. Im Gegensatz zur Baumwolle, die zwar auch knittert, aber doch danach noch weicher im Griff ist und sich beim Tragen auch sich wärmer anfühlt. Die Struktur des Leinens ist unregelmäßiger, die einzelne Faser dicker als die der Baumwolle.

Bockeln/Schleggern

Bockeln bedeutet, mit dem Frauenschleier schmücken. In manchen Gegenden ist schleggern und bockeln gleichbedeutend, in anderen wird unterschieden. In diesem Fall kommt das Schleggern nur den ganz jungen Frauen zu, wobei der Schleier hauchdünn ist. Beim Bockeln der älteren Frauen ist der Schleier aus festerem, undurchsichtigerem Gewebe.

Faltenreihung

Sie ziert vor allem das Trachtenhemd der Frau oder den Busenkittel. Das Ornament wird durch Faltenreihung bestimmt oder es wird auf die Falte gestickt. Das Ornament der Falten ist immer geometrisch und wird meistens mit starkem Faden gereiht. Durch verschiedene Zierstiche und Abwandlungen der Motive entstehen bei dieser Sticktechnik die mannigfaltigsten geometrischen Ornamente.

 Faltenstickerei/Gereihsel

Die ganze Breite der beiden Vorderteile und des Rückenteils des Frauenhemdes wird in feine Falten gelegt und mit Reihfäden festgehalten, wobei dann entweder die Reihfäden selbst das streng geometrische Muster bilden, oder es werden die Falten nachträglich übernäht.

 Filetarbeiten/Netzen

Filetarbeiten ist in Siebenbürgen als „Netzen“ bekannt und wird hauptsächlich als Spitze oder Spitzeneinsatz aus feinem weißen Garn oder Baumwolle angefertigt. Länge und Breite der Arbeit wird von der Anfertigung des geraden oder schräg „genetzten“ Gittergewebes bestimmt.

Geschriebene Muster

Sie werden nicht nach gezählten Fäden gearbeitet, sondern auf Leinwandfläche mit Tinte aus freier Hand aufgezeichnet und dann gestickt.

 Häkeln

Eine der ältesten bekannten Handarbeiten. Zarte Spitzengebilde (Häkelspitzen und Spitzengeinsätze) entstehen in den verschiedenen Häkeltechniken. Im Ornament der Spitzen findet man Symbole der Antike, Symbole des Lebens, des Glücks und des Todes wieder.

 Hanf

Hanf zählt zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt. Von der Antike bis tief ins 20. Jahrhundert war Hanf ein anerkannter und unentbehrlicher Rohstoff zur Herstellung einer Vielzahl von Gegenständen, darunter Kleidung, Taue und Takelagen für Schiffe und Papier. Neben dem Gebrauch als Faser-, Heil- und Ölpflanze findet Hanf auch zur Herstellung von Rauschmitteln Verwendung. Bis Anfang unseres Jahrhunderts war der Hanf eine unersetzliche Kulturpflanze.

Hanferzeugnisse zeigen eine sehr gute Widerstandsfähigkeit gegen Verschleiß, so dass die Fasern oft recycelt werden können. Bis in das 18. Jahrhundert waren zudem Hanffasern neben Flachs, Nessel und Wolle die wichtigsten Rohstoffe für die europäische Textilindustrie, wobei Hanf aufgrund der gröberen Faserbündel vor allem zur Herstellung von Ober und Arbeitskleidung diente. Die Hanfverarbeitung nahm vor der Einführung der Baumwolle und anderer exotischer Fasern wie Jute, Sisal und Ramie eine Schlüsselrolle in der Textilverarbeitung ein.

 Hardanger-Stickerei

Eine Durchbrucharbeit mit verschiedenen Zierstichen und Durchbruchmotiven. Sie wird in Kreuz- und Zopfstich über gezählte Stofffäden gearbeitet, deren Kett- und Schussfäden gelichmäßige Gitterkreuze bilden. Der Mustergestaltung der Hardanger-Stickerei sind Grenzen gesetzt, weil sie eine strenge, fadengebundene Technik verlangt. Das Grundornament dieser Stickerei ist die Raute, in unzähligen Varianten gearbeitet. Quadrate, Rechtecke, Dreiecke und Kreuze in verschiedenen Abweichungen eigen sich als Verzierungen, die mit dieser Technik durchgeführt werden.

Hohlsaumstickerei und Ajourarbeit

Ornamentale Randverzierung in Stopf- oder Wickelstichtechnik. Bei dieser Stickerei werden zuerst die nötigen Fäden gezogen, dann die Ränder gesichert und das Ornament eingearbeitet.

Pedos-Stickerei

Es ist eine bestimmte Art von Wirkstickerei, die im Webestich linksseitig gearbeitet wird, wodurch das Muster auf der rechten Seite ausgespart erscheint.

Sticken

Die Schmuckformen werden mit unterschiedlichen fadengebundenen Stichen genäht (Kreuz-, Zopfstich) und in Flachsticktechnik (Linien und Plattstichen: Blatt-, Stiel-, Schlingstich, Kett-Knötchenstich, Durchzogener-, Stepp- und Hexenstich u. a. m.) gehalten.

Stopfdurchbruch

Die Längsfäden des hellen Hanfgewebes werden in der Größe des Musters herausgezogen. Mit weißen oder bunten Querfäden „stopft“ man nachher das Muster.

Tamburieren

Die Arbeit wird nach vorgezeichnetem Muster auf Tüll oder feiner Leinwand auf einem Tamburierrahmen (Stickrahmen) in Kettenstichtechnik mit Stickseide ausgeführt. Statt der Nadel kann auch eine feine Häkelnadel benutzt werden. Sie wird senkrecht von oben nach unten und umgekehrt geführt.